Passauer Neue Presse, 13. Mai 2010

Born in Schiefweg: Emigration am Beispiel Emerenz Meiers

Neues Museum im Geburtshaus der Dichterin – Eröffnung am 15. Mai

Die bayerische Museumslandschaft ist um eine Attraktion reicher: Nach zweijähriger Planungs- und dreimonatiger Realisierungsphase öffnet das Auswanderermuseum „Born in Schiefweg“ am Samstag, 15. Mai, seine Pforten. Ins Geburtshaus der Heimatdichterin Emerenz Meier in Schiefweg bei Waldkirchen (Lkr. Freyung-Grafenau) eingebettet, erzählt das Museum die Geschichte der Auswanderung aus dem Bayer- und Böhmerwald nach Amerika im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Gleichzeitig wird Emerenz Meiers eigenständiger Platz in der bayerischen Literaturlandschaft aufgezeigt und ihr Mut herausgestellt, sich als Frau in der damals ausschließlich von Männern dominierten Gesellschaft behauptet zu haben.

Das 19. und beginnende 20. Jahrhundert läuteten europaweit einen gesellschaftlichen Umbruch ein, der auch am Bayer- und Böhmerwald nicht spurlos vorüber zog. Das raue Klima und die ungünstige Topographie der Siedlungsgebiete in 800 bis 1000 Metern Höhe ließen für die Waldler nur sehr bescheidene Erträge in der Landwirtschaft zu. Um der Trostlosigkeit und steten Existenzangst zu entkommen, blieb oftmals nur die Emigration. Von Amerika erhofften sich die Auswanderer eigene Farmen auf ertragreichen Böden, ein familiäres Leben ohne Heiratsverbote und soziale Unterdrückung – kurzum: wirtschaftlichen Erfolg und ein wesentlich besseres Leben als daheim im Bayerischen Wald.

Finanzielle Nöte und das nachlassende Interesse an ihrer schriftstellerischen Arbeit zwangen auch Emerenz Meier, 1906 „ins Amerika“ auszuwandern. Zwar fand sie in Chicago eine neue Heimat – doch vor allem durchlebte sie dort das tragische Schicksal einer Emigrantin, deren Hoffnungen sich nicht erfüllten. Sie schrieb nur noch für sich selbst, lag im verbalen Krieg mit den Mächtigen ihrer Zeit und schickte Briefe voller Bitterkeit und Heimweh nach Hause, in den von ihr so geliebten Bayerischen Wald. Emerenz’ Tod am 28. Februar 1928 in Chicago war eine Erlösung für die schwerkranke Emigrantin, aber auch das Ende aller optimistischen Hoffnungen auf eine neue Zukunft als Schriftstellerin.

Unter der inhaltlichen Begleitung von Literaturwissenschaftler Dr. Hans Göttler, Universität Passau, und dem Karlsruher Migrationsforscher Dr. Friedemann Fegert. konzipierte das Planungsbüro Atelier & Friends aus Grafenau für „Born in Schiefweg“ acht Themenräume im Obergeschoß des Emerenz-Meier-Geburtshauses: „Die Mühsal“, „Die Gabe“, „Die Auflehnung“, „Die Unruhe“, „Die Beziehungen“, „Die Projektion“, „Die Auswanderung“ und „Die Neue Welt“. Das Museum lebt vom Spannungsfeld aus Reduktion und kreativ inszenierten Räumen. Dass die Besucher Informationen über interaktive Installationen und Audioguide erhalten – als Sprecher konnten Ilse Neubauer und Wolf Euba gewonnen werden –, unterstützt die Idee der Planer, große innenarchitektonische Gesten mit malerischen Details zu verknüpfen. Hauptexponat ist das denkmalgeschützte Haus selbst, in dessen Parterre das Wirtshaus „Zur Emerenz“ zum Speisen und Verweilen einlädt.

„Jetzt ist unser Traum Realität“, schwärmt Alex Nodes, Vorsitzender des Emerenz-Meier-Haus-Vereins. Mit dem Ziel, das Geburtshaus der Dichterin im Herzen Schiefwegs vor dem Verfall zu retten und ein Wirtshaus samt Museum einzurichten, schlossen sich im Jahr 1997 ambitionierte Bürger zum Förderverein zusammen, der mittlerweile knapp 250 Mitglieder zählt. Vier Jahre später erstrahlte das Haus in neuem Glanz, war unter Denkmalauflagen für 700.000 Euro liebevoll renoviert worden.

Für das Museum musste der Verein nochmals 300.000 Euro aufbringen. Rund 100.000 Euro davon akquirierten die Vereinsmitglieder bei privaten Sponsoren, der Rest stammt aus EU-Fördertöpfen. Das Fotoatelier Seidel in Krumau hat das Projekt als tschechischer Kooperationspartner unterstützt.

Öffnungszeiten: Do-Sa 16.30-20.30 Uhr; So 11-18 Uhr
Eintritt: 4 Euro; ermäßigt 2 Euro; Gruppen (nach Anmeldung) 25 Euro
www.born-in-schiefweg.de